Es ist meine Zeit
Ich habe am gestrigen Tag meinen Mobilfunkvertrag mit der Firma Vodafone gekündigt. Das ist an sich nichts Besonderes, ich möchte trotzdem ein paar Worte dazu schreiben. Ich bin im Winter 1998 Kunde einer Mobilfunkfirma geworden. Keine sehr bewusste Entscheidung: Es gab zu diesem Zeitpunkt ein einziges fußläufig erreichbares Telefongeschäft in der Nähe meines Büros in der Münchener Innenstadt und die wiederum vertrieben Verträge von Hutchison Telecom. Hutchison war zu klein, um auf dem Markt zu bestehen, wurden von The Phone House geschluckt, die später ihre Vertragskunden an Vodafone abgeben mussten. Ich habe also in zwölf Jahren den Vertragspartner nicht aktiv gewechselt, sondern wurde je nach Großwetterlage weitergegeben.
Als ich gestern meinen Mobilfunkvertrag gekündigt habe, war das eine sehr bewusste Entscheidung. Ich hatte zwischenzeitlich alles mögliche ausprobiert: Mobile Datennutzung, hochvolumige Verträge, SMS Pakete, alles, was der Markt in einem guten Jahrzehnt so hergab. Seit 2009 habe ich nur noch einen kleineren Vertrag, ohne Internetnutzung, weil ich die mittlerweile über alternative Dienstleister abbilden konnte. Aber, wie es so kommt: Ich saß zwischen Köln und Hamburg im Zug, nur das alte Gerät in der Tasche und mit der Notwendigkeit ausgestattet, dringenden E-Mail-Verkehr zu erledigen. Ich wusste, dass es teuer werden würde. Und es wurde teuer: Download des Gmail-Clients und etwas Schriftverkehr in zwei Stunden für 50 Euro.
Ich habe diesen Betrag anstandslos bezahlt. Und dann habe ich mir Gedanken gemacht. Ich bin selbst für ein Dienstleistungsunternehmen tätig. Wir entwickeln Software und auch da kommt es beizeiten vor, dass ein Kunde, obwohl er aktuell keinen Auftrag bei uns platziert hat, dringend Unterstützung benötigt. Wenn man die Differenz in den aktuellen Marktpreisen für mobile Onlinenutzung mit und ohne entsprechende Verträge zugrunde legt, dann würden wir diesen Kunden zwar sofort und unbürokratisch helfen, ihnen aber im Nachhinein eine viertel Million Euro für einen halben Tag in Rechnung stellen. Ich weiß, warum wir das nicht machen. Weil es die Ausnutzung einer Notlage wäre. Weil eine dermaßen hohe Forderung völlig zurecht anfechtbar wäre. Weil wir glauben, dass wir als Unternehmen langfristig erfolgreicher arbeiten, wenn wir uns als Partner unserer Kunden positionieren und nicht als Softwareentwicklungsarm von Moskau Inkasso.
Ich habe mich dazu entschlossen, nicht mehr Kunde bei einem Unternehmen sein zu wollen, dass sich diese Werte zwar von Scholz und Friends auf den Pelz malen lässt, aber im täglichen Umgang nicht lebt. Weil es einen auf kurzfristigen Profit optimierten Ansatz für erfolgversprechender hält. Natürlich gibt es viele Unternehmen der Branche, die das genau so handhaben. Ich befinde mich seit heute auf der Suche nach einem Anbieter, dessen Kunde ich wirklich sein möchte.

