Zum Umgang mit der Knallpresse
Hauptsächlich Bildblog arbeitet sich ja unermüdlich seit einigen Jahren daran ab, immer wieder und in kleinsten Details darzustellen, wie unsauber, unseriös und schlicht unjournalistisch im deutschen Boulevard gearbeitet wird. Das ist, entgegen Einzelmeinungen aus der PR-Industrie, so lange relevant, bis andere Medien aufhören, sich explizit auf die Kollegen aus der Knallpresse als Quelle zu berufen. Selbst Wolfgang Büchner, dessen dpa in den letzten Monaten aufs schlimmste von Jux- und Falschmeldungen gebeutelt wurde, schrieb dieser Tage in einem internen Memorandum, das genau solche Falschmeldungen in Zukunft zu vermeiden helfen soll:
“Für (Vorab-)Informationen deutscher Medien (vor allem unserer Medienkunden) gilt, dass die dpa diese Informationen bei entsprechendem Nachrichtenwert aufgreifen kann, auch wenn diese nicht bei der Erstquelle überprüft wurden. Wir unterstellen, dass seriöse Medien an uns übermittelte Fakten selbst hinreichend geprüft haben.”
Die Liste der Medienkunden der dpa inkludiert nun allerdings mehr als nur eine Redaktion, die regelmäßig die Brüste hüpfen, die Täter und Opfer vorführen und die Wahrheit einen netten alten Mann sein lässt. Es gäbe aber auch einen ganz anderen Ansatz. In der heutigen Presseschau auf BBC Radio 4 wurden zuerst die Themen der Broadsheets diskutiert, wobei auch dort schon vor allen Dingen der Guardian einen härteren Hieb ertragen musste. Dann aber kamen separat die Ausgaben der Yellow Press auf den Tisch. Ich zitiere in Auszügen:
“The Sun has what it claims an exclusive, it’s an interview, or it looks like an interview, with John Terry. (…) Are we allowed to say all this, by the way? (…) Oh well, it’s all alleged. We don’t take any responsibility for any of it.”
Nicht nur erkennt die BBC also an, dass es sich bei Sun, Mirror oder Daily Mail schlicht um eine andere Medienform als die der Tageszeitung handelt. Nicht nur distanziert man sich explizit von den in dieser Medienform als Fakten postulierten Angaben. Nein, man nimmt den Tabloids auch noch das letzte Deckmäntelchen, in dem man angebliche Interviews als genau das bezeichnet. Diese Unternehmen haben zu oft gelogen als dass es legitim wäre, ihnen dasselbe Vertrauen wie anderen Quellen zuzubilligen.
Es wäre natürlich falsch, wenn man behaupten würde, durch transparentere Arbeit kämen die Kunden wieder in Scharen zu den deutschen Medienhäusern zurück. Das ist schlicht zu kurz gesprungen. Aber wenn diese Stimmen auch in Zukunft noch eine Rolle im Meinungskanon spielen wollen, dann bietet sich oben geschilderte Methode an, um glaubwürdig zu bleiben. Der nach Medienangaben hoch verschuldete und mit einer Minderjährigen liierte XY würde dann leider zu einem weit weniger spektakulären Aufmacher, aber wenn hinter diesen Medienangaben die Speerspitzen des deutschen Lügenboulevards stehen, dann sollte man Ross und Reiter auch nennen.
Das durchaus amüsante Originalaudiofile kann man noch bis zum 13.2. hier anhören, ab 19:55 geht’s los.
P.S. in eigener Sache: Zweihundert Posts in gut vierhundert Tagen. So viel Freude, so viele neue Freunde. Herzlichen Dank für das alles.

