Remember, remember, the 27th of December. Dazu: Musik.
Es war einmal ein Foodblog, in dem Florian Siepert über sein Abendessen geschrieben hat. Dann gab es seltener aufwendige Abendessen, oftmals einen sehr müden Florian Siepert - aber vor allen Dingen ganz viele andere Themen, die nirgendwo so richtig hingepasst haben. Jetzt gibt es ein Florian-Siepert-Blog mit Abendessen-Einschlägen. Die Technokratien erst einmal aus dem Wege: Nach Zustellung dieses Posts wird dieses Geschäft unter http://floriansiepert.com erreichbar sein, der Rss-Feed befindet sich dann hier.
Und weil sich so viele Erfreulichkeiten angestaut haben fangen wir gleich an. Ich bin im Jahr 2009 ausnahmsweise nicht Vater geworden und hatte deswegen wieder etwas Zeit für Popmusik. In meiner Peergroup scheint man sich darauf geeinigt zu haben, dass dieses Jahr veröffentlichungsseitig ein kompletter Ernteausfall war, das empfinde ich natürlich vollständig gegensätzlich. Geht ihr mal acht Monate wickeln, danach klingt Chris de Burgh wie Blur. Ernsthaft. Ist wohl der Reiz des Neuen. Da mich gen Jahresende der Verstand wieder eingefangen hat habe ich trotzdem eine Hörvorschlagsliste zusammengestellt, die ich auch in zwei Jahren noch vertreten zu können hoffe. Die wenigen glücklichen Menschen mit Spotify-Accounts können sich das alles in voller Glorie hier anhören, dem Rest erzähle ich was und wünsche Itunes, Amazon und ihren Epigonen frohe Umsätze.
Miike Snow - “Burial”
Die Bandmitglieder von Miike Snow haben “Toxic” von Britney Spears produziert, dann waren die 48 Stunden des schwedischen Sommers vorbei und so klingt dann auch das Debütalbum: In melancholischer Erinnerung an eine Party vor zwei Monaten aufgenommene Stücke, die allesamt bemerkenswert, im Falle von “Burial” allerdings wirklich nahezu unwirklich super sind. Dazu ein in Varanasi gedrehtes Video mit Hirschhasenglaswürfel. Tatsächlich mein Lieblingslied in diesem Jahr,
Florence & The Machine - “Rabbit Heart” Jamie T & Ben Bones Rmx
Florence & The Machine durfte man wohl trotz 2009er Veröffentlichung gut finden, ausgerechnet das habe ich dann wieder nicht geschafft: Klingt mir zu sehr wie ein Potpourrie aus allen anderen denkenden Frauen, die je Platten aufgenommen haben. ABER: Jamie T & Ben Bones nehmen halt einfach mal Madchester-Pianos in die Hand und geben Vollgas. Schon macht alles Sinn.
Animal Collective - “My Girls”
Was mich freut: Es gibt offenbar wieder Bands, die sich dafür interessieren, was an Harmonien jenseits der dreieinhalb gängigen Akkordfolgen so geht. Wissen alle anderen außer mir natürlich schon viel länger, aber nun denn. Und: Ich habe jetzt auch mehrere Girls. Eins zum Heiraten, eins zum Großziehen. Cleveres Titel-Marketing seitens der Band, um mich als Hörer zu gewinnen.
Kid Cudi - “Up Up & Away”
Hip Hop war dieses Jahr wirklich Mist. Kid Cudi hingegen überhaupt nicht. Aber so mit Gitarrensamples, Halbgesungenem etc. ist man ja auch eher am Rande von Rap angesiedelt, in Raps Speckgürtel sozusagen.
Empire Of The Sun - “Walking On A Dream”
Nur enthalten, um junge Mädchen in dieses Blog zu locken. Und weil es ein sehr guter Song auf einem eher mittelmäßigen Album ist.
Phoenix - “1901”
Meine goldenen Freunde aus Frankreich haben sich wieder gefangen. Das letzte Album war das bislang enttäuschendste der Band, dann aber kommt nahezu ungeahnt “Wolfgang Amadeus Phoenix” um die Ecke und räumt auf, auf, auf. Die Metaphern und Pattern sind sehr meta, die Songs aber gerade wie das Holzbein von Otto Graf Lambsdorff. Und der war ja auch eher ein Mann der ersten Single.
O’Spada - “Time”
Freund schickt Link zu Mark-Ronson-Podcast, Mark Ronson legt dieses Stück auf, Onkel Siepert ist verliebt. Wieder Schweden, die Anlagen zur leichten Scheusslichkeit verstärken sich beim Hören weiterer Stücke der Band, aber “Time”? Unantastbar.
Major Lazer - “Pon de Floor”
Mein werter Kollege Halfbyte und ich: Genau die Menschen, die man erreichen möchte, wenn man ein Vollgas-Ragga-Clever-Clever-Eurodance-Album macht. Nicht. Wir fandens halt trotzdem super. Heimlich, damit die bei Major Lazer sich nicht so ärgern müssen, dass wir keine heissen Frauen Anfang 20 sind.
The xx - “VCR”
Der Monolith des Jahres. Unfassbares Album von einem Haufen Londoner Teenager. Man sollte umso mehr darüber nachdenken, in London zu wohnen. Klingt wie minimal Velvet Underground mit Einschlägen von vielem anderen, was gut ist. “VCR” ist hier nur sinnlos herausgegriffen, man könnte auch jedes andere Stück bedenkenlos empfehlen. Manchmal schöner als Bumsen und Wurstbrot.
Jochen Distelmeyer - “Wohin mit dem Hass”
Erst kam dieses Stück. Dann kam das Video zu diesem Stück. Dann kam das Soloalbum, das randvoll mit miesem Mittelmaß den ersten Eindruck zu überlagern plante. Nicht geschafft, Soloalbum. “Wohin mit dem Hass” hat es als stehender Begriff in das Vokabular meiner Freunde geschafft und wir sonnen uns oft im Trost, dass Jochen jetzt auch nicht so genau weiß.
Them Crooked Vultures - “Mind Eraser, No Chaser”
Ganz spät im Jahr zu mir gekommen. Hier empfohlen, weil ich eine schöne Schelle von Josh Homme schon immer zu schätzen wusste und das vermutlich auch in diesem Falle nicht anders sein wird.
The Dead Weather - “I Cut Like A Buffalo”
1: Es gibt noch Musikvideos. 2: Das Musikvideo zu diesem Song ist ganz toll. Der Song übrigens auch. Ohrfeigenblues.
MONO - “Ashes In The Snow”
Japaner spielen zwölfminütige Instrumentalstücke, die leicht ins dronige hängen. Eher was für Leute, die gerne die Charts rauf- und runterhören.
Karen O & The Kids - “All Is Love”
Das tolle am Elternsein: Viele tolle und großartige Menschen und Musiker sind auch Eltern oder haben Freunde mit Kindern und machen Dinge, die für meine Tochter und mich super sind. Karen O (Papa) & The Kids (Emmi) aus dem Spike-Jonze-Film (Papa) “Where The Wild Things Are” (Emmi) mit dem Titel “All Is Love” (Emmi &Papa).

